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Was macht einen guten Züchter aus?

Kritische Betrachtung der aktuellen Zucht des American Bulldog

Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon Oldebulls » 11.09.2010, 20:24

Mahlzeit!

Ich wollte hier mal eine Frage in den Raum stellen, wo ich hoffe das doch eigentlich jeder eine Meinung dazu haben dürfte oder zumindest haben sollte.

Eigentlich steht die Frage schon im Betreff:

Was macht einen guten Züchter aus?

Um es zu konkretisieren:

Welche Kriterien sind aus Eurer ganz persönlichen Sicht die, die ein Züchter für Euch erfüllen muss?
Worauf achtet Ihr bei der Auswahl eines Züchters?
Was hinterfragt Ihr?
Was ist Euch wichtig?

Hintergrund meiner Frage ist, das ich mich heute mal wieder heftig über die anscheinend täglich steigende Zahl von Pseudozüchtern geärgert habe. Gut, für mich geht es weniger um Am'Bulls, ich bin ja eher bei den Oldies zuhause. Aber ich denke, das wird bei den Am'Bulls nicht viel anders sein, oder?
Jeden Tag taucht irgendwo ein neuer Kandidat auf, der sich Züchter nennt. Da wird dann mal eben die ohnehin schon vorhandene Hündin mit irgendeinem Rüden verpaart der gerade günstig zu haben war.
Gesundheitschecks? Fehlanzeige. HD? Das ist das mit der Hüfte, oder? Hat meine Hündin nicht, die läuft super. Sieht man doch. ED? Nee, kenn ich nicht hat sie auch nicht. Und der Rüde? Hat er auch alles nicht. Belege? Hat der Besitzer vom Rüden doch gesagt.
Gibt es ein Zuchtziel? Na klar gibt es ein Zuchtziel. Ich will einen Wurf haben und viele kleine niedliche Puppies zum Besten meines Geldbeutels zum Besten der Rasse auf die Welt setzen.
Wie wird denn mit genau dieser Verbesserung zum Erhalt oder zur Verbesserung der Rasse beigetragen? Na ganz einfach, indem es wieder ein paar mehr Exemplare der Rasse gibt.
Passen eigentlich die Elterntiere anatomisch zusammen, ergänzt sich da was? Na logisch, das ergänzt sich wie Stecker in Steckdose - ging ganz einfach.

Ehrlich, da kriege ich einen richtig fetten Hals :fluch:

Was ich allerdings versuche zu verstehen:
Warum kaufen immer noch genügend Leute bei solchen Kandidaten einen Welpen?
Wobei ich da schon differenziere. Es gibt die Welpenkäufer die viele Fragen stellen. Teils auch die richtigen Fragen. Wenn die dann belogen werden und zu dämlich sind sich die richtigen Nachweise vorlegen zu lassen (so dämlich wie ich es mal war) okay, dann kann ich das noch halbwegs nachvollziehen.
Wer allerdings ist so blöd, dort einen Welpen zu kaufen obwohl er weiß was läuft?
Und warum gibt es immer noch so viele, die eben gar nicht erst die richtigen Fragen stellen?

Fragen über Fragen.

Ich würde mich über eine rege Diskussion dazu freuen.

LG,

Mathias.
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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon Xenius » 12.09.2010, 11:04

In unserem schönen Land zählt einfach die Geiz-ist-geil-Mentalität und warum sich einen Welpen für 1200-1500 € holen wenn der "Züchter" aus dem Zeitungsinserat nur 300€ will? Dass sie die Differenz und wohl einiges mehr in der Folgezeit zum TA tragen, daran denken die Leute nicht.
Die wenigsten Leute machen sich Gedanken über die Bedürfnisse und Anforderungen des Tieres das sie sich in's Haus holen. "Funktioniert" der Hund nicht in kürzester Zeit, stellt Ansprüche die sie nicht erfüllen können wird der Hund ruckzuck wieder abgegeben, weiter gereicht oder in's Tierheim abgeschoben.
Ich bin seit langer Zeit Pflegestelle für eine Orga und versuche diese "Opfer" wieder zu resozialisieren damit sie vermittelt werden können in ein Endzuhause, über das Thema Billigwelpen und deren Herkunft könnte ich eine Stunde lang schreiben. Es ist einfach zum Ko :zensur: , trotz aller Aufklärungsversuche nimmt es kein Ende.

Leider ist es beim AB nicht ganz so einfach wie bei VDH- Rassen. Dort kann ich anhand von Züchterlisten, Ausstellungsergebnissen, Workingergebnissen und Gesundheitsauswertungen etc. gezielt nach einen Welpen meines Geschmacks suchen. Wobei auch beim VDH nicht alles rosarot ist...
Konkrete Hinweise in den AB- Boards? Fehlanzeige. Viel geholfen hat mir eine Facebook-Freundin und AB-Züchterin :respekt: der ich ein Loch in den Bauch fragte. So habe ich mit meinem Wissen über Züchter und Vermehrer ausgesiebt und bevor unsere Kleine einzog habe ich sehr lange recherchiert, die Webseiten vieler ABs angeschaut und letztendlich meine Top Five Züchter gefunden die meinen Kriterien entsprachen. Nur dort kaufe ich, der Rest taugt mir nicht.

Gruß
Andi
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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon Bulldogge » 12.09.2010, 11:25

Xenius hat geschrieben:Konkrete Hinweise in den AB- Boards? Fehlanzeige.


Das möchte ich so nicht stehen lassen!

Natürlich bekommst du ausführliche Informationen ... wenn du gezielt nachfragst. Auch solltest du bedenken, dass ein Internetforum nach seinen ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten lebt.

Bist du neu in einer Gemeinde und kennen dich die Leute nicht, so werden "brisante" Informationen nicht unbedingt sofort "asugeschüttet". Zumindest nicht öffentlich. Spricht man dann aber den einen oder anderen gezielt an, so erhält man auch die gewünschten Informationen.

Auch solltest du bedenken, dass die Schwelle von freier Meinungsäußerung zu Rufschädigung sehr schmal ist und die Betreiber der Foren in der Regel keine Juristen sind. Allerdings sind die Betreiber der Foren diejenigen, die zunächst erstmal den Kopf hinhalten müssen.

Und da spreche ich leider aus eigener Erfahrung! Auf das Bulldogboard bezogen, bin ich derjenige, der die Schreiben von irgendwelchen Anwälten im Briefkasten hat, wenn sich einer auf den Schlips getreten fühlt und meint, man wolle hier mit einem Beitrag seinen Ruf schädigen.

Insofern unterbinden viele Betreiber solche Disksussionen ... schon allein aus Selbstschutz. Was dann in Privaten Nachrichten an Informationen ausgetauscht werden, steht auf einem ganz anderen Blatt *mit dem Zaunpfahl wink* :D
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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon Lioness » 12.09.2010, 11:53

Zum einen ist es natürlich - wie bereits angesprochen - die Geiz-ist-geil-Mentalität. Die meisten Leute denken dann eben nur bis zu ihren Schuhspitzen. Auch kommt hinzu, dass viele Händler die Hunde einem auch quasi vor die Haustür bringen. So entfällt auch die mind. einmalige Reise durch vielleicht ganz Deutschland.

Aufklärung wird in einigen Boards sehr essentiell betrieben. Manchmal zu hart. Kaum hat man sich vorgestellt, wird man gleich irgendwie lauernd gefragt, von welchem Züchter der Hund denn sei. Weicht man auf diese Frage aus oder gibt gar zu, dass der Hund von Privatleuten, Händlern etcpp. stammt, na dann viel Spaß.

Aber um auf das eigentliche Thema zurückzukommen:
Für unsere Sammy wollen wir, sobald unser Traum vom Eigenheim mit großem Garten fertig und realisiert ist, ein kleines Schwesterchen holen. Dazu haben wir auch bereits 2 Züchter im engeren Blick. Dass beide nun so ziemlich bei uns auf der Nase wohnen, macht die Sache natürlich noch schöner! Mit einer waren wir bereits gemeinsam spazieren und konnten ihre 13 EBs hautnah erleben. Das ist natürlich super, wenn man vorher schon (vor allem) die potentiellen Eltern sieht und sich ein Bild machen kann, wie die alle so leben.
Wäre man als Besucher z.b. beim Betreten angeknurrt worden oder hätte man bei jedem Schritt auf "Tretminen" achten müssen (mangelnde Hygiene), wären wir auf der Hacke wieder umgekehrt.

Auch wichtig ist, dass man dem Züchter Fragen stellen kann, in unserem Beispiel haben wir sehr viel über die potentiellen Eltern gefragt. Wie sind sie zu anderen Hunden? Zu Kindern? Krankheiten? Sonstige Eigenarten?
Natürlich muss man auch als Interessent einige Fragen "über sich ergehen lassen". Alter Beruf, Länge der täglichen Arbeitszeit, Wohnverhältnisse, etc. Das finde ich richtig und wichtig. Ein guter Züchter würde seine Welpen nie an verantwortungslose Menschen weitergeben, bei denen er dann seelisch oder körperlich eingehen würde.
Mein Mann und ich haben bis vor einem Jahr Farbratten gezüchtet. Ist zwar sicherlich eine andere Dimension, aber wir schauten auch ganz genau, zu welchen Leuten unsere Kleinen dann kamen. Sollten sie in einem Hamsterkäfig und wahrscheinlich noch in Einzelhaft geben, gab's ohne Umschweife ein dickes "Nein" von uns.

Auch den anhaltenden Kontakt zwischen Züchter und Halter finde ich wichtig. Manche Züchter kommen auch mal regelmäßig ihre Welpen besuchen. Finde ich schön, muss aber nicht sein, zumal sie vielleicht in ganz Deutschland verteilt sind. Ein ständiger Kontakt aber über Emails mit ein paar Bildern hier und einigen Anekdoten da, finde ich jedoch sehr schön. Habe ich mir auch immer von den Abnehmern meiner Ratten gewünscht, auch um eventuell auftretende Erkrankungen (Tumore etc.) zu erfahren, um mit dieser Blutlinie dann nicht weiter zu züchten.

Tjoa, das war erstmal alles, was mir so eingefallen ist...
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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon abpaula » 12.09.2010, 15:01

Was einen guten Züchter ausmacht....das er nicht Zwingerblind ist, sich nicht selbst überschätzt und realistisch bleibt. Das er seine Hunde selbst einschätzen und mit guten und vielmehr mit besseren vergleichen kann und selbstkritisch ist. Dem es nicht nur ums Geld geht, sondern dem es auch darum geht, gute Hunde zu züchten. Ein Züchter muss wissberierig und lernfähig sein. Er muss wissen, wohin seine Zucht gehen soll, welche Ziele er hat und alles daran setzen, sie sinnvoll zu erreichen!

Und er muss vorleben können: Shows erfolgreich besuchen, Gesundheitsauswertungen (setz ich natürlich vorraus) und ich würde mir auch wünschen, dass er Prüfungen ablegt, zumindest eine BH oder eine Ausdauerprüfung, um auch sein Interesse an der Erziehung und an der Sportlichkeit, über die der Bulldog verfügen sollte, darstellen zu können.

Die HP sollte gut aufgebaut sein, alle Gesundheitsauswertungen, Showerfolge, Standbilder, Nachzuchten etc sollten zu finden sein.

Züchter, die daran leiden, die Schuld abzuschieben, kann ich überhaupt nicht verstehen...wesensschwache Hunde sind immer das Resultat schlechter Erziehung, Allergiker Opfer der Großstadt, Kruzbandrisse bedeuten Überforderung, zurückhaltende Hunde sind eben gute Wachhunde, bla bla bla....dieses ganze Denken ist für mich an der Grenze zum Übergeben müssen.

Es gibt in der AB Welt unter den selbsternannten "guten Hobby-/Züchtern" viele schlechte, ein paar durchschnittliche, die nicht viel Schaden anrichten, aber in meinen Augen höchstens eine Handvoll, die die Rasse verbessern wollen und über die o.g. Charaktereigenschaften verfügen.

Selbst, wenn man glaubt einen gefunden zu haben, lernt man Nachzuchten kennen und ist wieder erschrocken.

Ich würde im Grunde auf das achten, was im ersten Link, den der Admin eingestellt hat, drin steht....da ich einen sportlichen Hund bevorzuge, müssten bei mir sportliche Erfolge zusammen mit der Gesundheit und einem starken Wesen ziemlich weit oben stehen. Der Hund sollte zwar anatomisch korrekt sein und dem Standard entsprechen, muss aber nicht der schönste Bulldog sein.

Die Zuchthunde sollten mich, wenn ich zu Besuch käme, offen und freudig begrüßen. Das Haus und der Garten sollten ansprechend sein, so, dass man sich nicht ekelt, sich überhaupt für ein Gespräch auf die Couch zu setzen. Die Welpenkiste und Umgebung darf nicht überdurchschnittlich dreckig sein, genauso wenig wie die Welpen und die Zuchthunde.

Der Züchter muss sich mit dem Stammbaum seiner Hunde auskennen. Er muss meine Fragen beantworten können und soll mich nicht vollschleimen, um einen loszuwerden. Ich möchte genauso mit Fragen belagert werden und ich möchte Interesse daran sehen, wie der Hund später leben wird.

...mir würde noch so vieles einfallen...
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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon Oldebulls » 12.09.2010, 15:57

Zunächst mal ganz herzlichen Dank für die Beteiligung.

Eines wollte ich schon mal einwerfen.
Mir geht es nicht um die Typen, die möglichst billig einen Welpen kaufen und sich dann über Tierarztkosten wundern.
Wer sich einen Wühltischwelpen für 300 Euro einsammelt, der weiß meiner Ansicht nach sehr genau was er tut. Wenn dann hinterher gejammert wird dann verdient das meiner Meinung nach noch ein paar in die Fresse extra. Mitgefühl hab ich da keines.

Mir geht es um die Leute, die zu solchen Pseudozüchtern gehen und da einen durchaus nennenswerten Betrag für einen Welpen bezahlen. Meist zwischen 1.000 und 1.500 Euro, teils sogar über 3.000 Euro werden da aufgerufen. Und das von Leuten, wo eigentlich mit ein wenig gesundem Menschenverstand sichtbar ist das es da mit Zuchtverstand nicht weit her ist.
Da wird mit Hyperchampions geworben und es werden "Gesundheitszeugnisse" vom Dorftierarzt präsentiert, da kommt mir echt der Kaffee von letzter Woche hoch.

Für mich ganz persönlich sind solche Pseudozüchter noch wesentlich schlimmer als die bekannten Hundehändler. Wie ich schon sagte, wer einen Welpen vom Händler oder vom Wochenmarkt kauft der weiß was er tut. Niemand kann mir erzählen, das man das völlig ahnungslos tut.
Wer aber an einen solchen Pseudozüchter gerät der versucht meiner Ansicht nach zumindest etwas richtig zu machen. Und trotzdem läuft er voll auf den Hammer.

Genau um so etwas geht es mir. Worauf muss man achten, um genau solche Pseudozüchter zu erkennen? Wie differenziert man die wirklich guten Züchter von solchen "Scheintätern"?

abpaula hat geschrieben:Was einen guten Züchter ausmacht....das er nicht Zwingerblind ist, sich nicht selbst überschätzt und realistisch bleibt. Das er seine Hunde selbst einschätzen und mit guten und vielmehr mit besseren vergleichen kann und selbstkritisch ist. Dem es nicht nur ums Geld geht, sondern dem es auch darum geht, gute Hunde zu züchten. Ein Züchter muss wissberierig und lernfähig sein. Er muss wissen, wohin seine Zucht gehen soll, welche Ziele er hat und alles daran setzen, sie sinnvoll zu erreichen!


Genau das sind Punkte, denen ich voll zustimmen würde.
Aber die Frage ist: Woran erkennt das der potentielle Welpenkäufer?
Worauf kann der potentielle Welpenkäufer achten, um genau diese Punkte zu erkennen?
Reden können Leute viel und gerade solche Pseudozüchter erzählen Dir das Blaue vom Himmel runter das die Wände wackeln.

abpaula hat geschrieben:Und er muss vorleben können: Shows erfolgreich besuchen,


Warum das?
Ein guter Showhund ist noch lange kein guter Zuchthund. Meiner Ansicht nach jedenfalls.
Ich frage bewusst mal ganz provokant: Warum also sollte ein guter Züchter Shows besuchen?

abpaula hat geschrieben: Gesundheitsauswertungen (setz ich natürlich vorraus)


Da sehe ich eine große Gefahr. Man darf sowas nie vorraussetzen. Weil leider sehr, sehr viele dieser Pseudozüchter auf solche Gesundheitsauswertungen einen dicken Haufen scheißen.
Inzwischen haben zwar einige von diesen Typen begriffen, das tatsächlich immer mehr Leute nach Auswertungen fragen. Aber anstatt dann korrekt die Hunde untersuchen zu lassen werden dann irgendwelche Bescheinigungen von irgendwelchen Tierärzten vorgelegt. Genau das gleiche mit Zuchttauglichkeitsbescheinigungen irgendwelcher Vereine. Die haben überhaupt keinen Wert. Aber es ist erstmal ein Stück Papier und der potentielle Welpenkäufer ist beruhigt.

abpaula hat geschrieben:und ich würde mir auch wünschen, dass er Prüfungen ablegt, zumindest eine BH oder eine Ausdauerprüfung, um auch sein Interesse an der Erziehung und an der Sportlichkeit, über die der Bulldog verfügen sollte, darstellen zu können.


Das ist für mich etwas, was sicher für manchen -so auch für Dich- sehr wichtig ist. Immer abhängig davon, was man selbst von seinen Hunden erwartet. Für mich persönlich ist das eher nachrangig. Ich erwarte, das die Hunde des Züchters gut sozialisiert sind. Also offen und freundlich gegenüber Besuchern und der Familie des Züchters sind. Für mich ist elementar wichtig, das meine Hunde alltagstauglich sind. Das ich mich mit meinen Hunden in der heutigen hundefeindlichen Gesellschaft bewegen kann ohne anzuecken. Dafür brauchen meine Hunde keine Ausdauerprüfungen. Aber wie gesagt, das hängt immer von den individuellen Anforderungen des Einzelnen ab.

abpaula hat geschrieben:Die HP sollte gut aufgebaut sein, alle Gesundheitsauswertungen, Showerfolge, Standbilder, Nachzuchten etc sollten zu finden sein.


Bis auf die Showerfolge gehe ich mit. Immer noch die Frage: Warum Showerfolge?

abpaula hat geschrieben:Züchter, die daran leiden, die Schuld abzuschieben, kann ich überhaupt nicht verstehen...wesensschwache Hunde sind immer das Resultat schlechter Erziehung, Allergiker Opfer der Großstadt, Kruzbandrisse bedeuten Überforderung, zurückhaltende Hunde sind eben gute Wachhunde, bla bla bla....dieses ganze Denken ist für mich an der Grenze zum Übergeben müssen.


Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Das passt für mich vollständig.

abpaula hat geschrieben:Die Zuchthunde sollten mich, wenn ich zu Besuch käme, offen und freudig begrüßen. Das Haus und der Garten sollten ansprechend sein, so, dass man sich nicht ekelt, sich überhaupt für ein Gespräch auf die Couch zu setzen. Die Welpenkiste und Umgebung darf nicht überdurchschnittlich dreckig sein, genauso wenig wie die Welpen und die Zuchthunde.


Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Wie ich schon sagte: Alltagstauglich.
Aber neben diesem Aspekt gibt es eben unzählige weitere. Doch welche?

abpaula hat geschrieben:Der Züchter muss sich mit dem Stammbaum seiner Hunde auskennen. Er muss meine Fragen beantworten können


Welche Fragen würdest Du stellen?

abpaula hat geschrieben:Ich möchte genauso mit Fragen belagert werden und ich möchte Interesse daran sehen, wie der Hund später leben wird.


Volle Zustimmung. Aber woher weißt Du, das das Interesse nicht nur geheuchelt ist?

abpaula hat geschrieben:...mir würde noch so vieles einfallen...


Dann schreib mal. Ich bin echt neugierig.

LG,

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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon abpaula » 12.09.2010, 17:29

Der normale Welpenkäufer wird es schwer haben, das erstgeschriebene zu erkennen. Da gehört eine große Portion Menschenkenntnis und bereits angeeignetes Wissen dazu, um es herausfiltern zu können. Heutzutage würde ich mich in Boards zunächst anmelden und viel lesen, alte Beiträge verraten eine Menge und ich würde mir Zeit lassen dabei. Dann würde ich auf Shows fahren und mir die Hunde ansehen und mit den Haltern reden.

Warum Shows: Ich bin selbst recht häufig dort, stelle auch selbst aus. Häufig sieht man Hunde, die sich nicht anfassen lassen, die anatomisch völlig unkorrekt sind und auf Bildern waren sie sehr ansprechend. Du siehst, wie sich die Hunde dort verhalten, auch Artgenossen ggü., wie der Halter damit umgeht etc. pp. Hat ein Hund gute Showerfolge erzielt (-Championtitel/Grandchampion.....und wirkliche, bei guten Organisationen und nicht irgendwelchen merkwürdigen Punkte-Sammel-Vereinigungen), kann man davon ausgehen, dass der Hund schon mal nicht soooo scheisse sein kann.

Abgesehen davon gehört es für mich dazu, weil ich von einem guten Züchter vorrausetze, dass er mit anderen Hunden konkurrieren möchte, um möglichst den Besten einzusetzen. Dazu gehört das Aussehen, Zähne und das Gangwerk ebenso.

Und positives geht ntürlich auch. Es fallen dort auch sehr viele Hunde positiv auf, die man vorher garnicht kannte oder nicht viel von ihnen sah. Es ist eine Plattform, um andere Hunde und ihre Entwicklung zu betrachten und auch aus diesem Grund für mich ein Muss aus züchterischer Sicht.

In Sachen Auswertungen: Wenn man sich ein bißchen informiert hat (da kommt man nicht drum herum), weiß man, dass es nur wenige anerkannte Auswerter für die Rasse gibt. Sind die Hunde dort ausgwertet und der Züchter legt diese vor (unterschrieben und Stempel des Auswerters), kann man es glauben.

Welche Fragen/Taten vor Ort? Mir den Stammbaum zeigen lassen, Fragen bzgl. Nachzuchten, Geschwister des Zuchthundes stellen, fragen, was sie mit der Zucht erreichen wollen, wie sie die Problematik in der Zucht sehen, was sie gut, was sie schlecht finden....Mit was sie in ihrer Zucht für Probleme haben/hatten, was sie gut an sich finden usw. Das hört sich jetzt an, wie ein Interview....Natürlich die Auswertungen zeigen lassen. Eventuell Fragen dazu stellen...HD/ED/NCL/Herz/Spondylose (das sind für mich die wichtigsten Sachen, ohne geht garnicht).

Beim Begutachten des Eltertieres auf die Körperhaltung/Rute achten. Ist der Pinsel oben oder klemmt der Hund in oft runter, steht er offen und sicher oder wie ein Schluck Wasser in der Kurve....Wie sieht das Fell aus (rote Stellen, besonders Pfoten), Ohrenetzündung, Narben an Beinen? Wie sieht die Anatomie aus, die Bemuskelung? Wird der Hund auch gefördert oder verkümmert er auf der Couch und im Garten? Wie läuft der Hund, wie ist sein Temperament...usw...da gibt es so viele Sachen, auf die man achten sollte.

Unbewusst sehen das ja auch viele, können aber mit den ganzen Anzeichen eventuell nichts anfangen oder denken....ach das ist jetzt nur so, weil....weil ich ne Mütze trage oder rote Schuhe anhab oder weil ich mich hektisch bewegt hab....bla bla bla. Sachen mehr hinterfragen und sie nicht so einfach abspeisen, denn es steckt mehr dahinter, als nur, das ist weil....

Achso...wie merke ich echtes Interesse an mir selbst? Naja, das ist ja wie im wahren Leben...fragt derjenige wirklich oder sind es Standardfragen oder muss ich ihm das sogar aufdrängen? Sowas sollte man irgendwie merken, dafür gibt es meiner Meinung nach kein Rezept?
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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon Oldebulls » 12.09.2010, 18:41

Danke, ich denke wir sind da nicht so weit auseinander :D

abpaula hat geschrieben:Der normale Welpenkäufer wird es schwer haben, das erstgeschriebene zu erkennen.


Ganz genau das denke ich auch. Und da stellt sich für mich die Frage: Was kann ich einem potentiellen Welpenkäufer mit auf den Weg geben? Wie kann ich jemandem das wichtigste Rüstzeug mitgeben um eben nicht auf die falschen Leute reinzufallen?

abpaula hat geschrieben:Heutzutage würde ich mich in Boards zunächst anmelden und viel lesen, alte Beiträge verraten eine Menge und ich würde mir Zeit lassen dabei.


Gute Idee. Doch leider ist es doch einerseits meist so, das sich Leute erst dann in Foren anmelden wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und sie nach Hilfe suchen.
Und andererseits ist es genau so, wie auch Rico schon geschrieben hat. Wenn man in einem Forum ehrliche Erfahrungen schreibt und dann noch mit dem Finger auf jemanden zeigt, dann bringt man den Forenbetreiber in ziemliche Schwierigkeiten. Daher glaube ich, das die Idee zwar gut ist aber der Erfolg hinsichtlich Aufklärung doch begrenzt ist.
Wobei sich ganz sicher gute Anhaltspunkte gewinnen lassen. Was jedoch auch nicht davor bewahrt, das Leute trotz ausreichender Information dann einen Welpen bei den Falschen kaufen. Habe ich selbst auch schon erlebt. Wenn man erstmal vor den niedlichen kleinen Pups steht ist es verdammt schwer zu widerstehen. Das kennen wohl auch viele. Da werden dann alle guten Vorsätze in den Wind geschossen weil man sich gerade doch in so eine winzige Wurst verknallt hat.

abpaula hat geschrieben:Dann würde ich auf Shows fahren und mir die Hunde ansehen und mit den Haltern reden.


Das ist echt prima, das würde ich wirklich jedem empfehlen!

abpaula hat geschrieben:Warum Shows: Ich bin selbst recht häufig dort, stelle auch selbst aus. Häufig sieht man Hunde, die sich nicht anfassen lassen, die anatomisch völlig unkorrekt sind und auf Bildern waren sie sehr ansprechend. Du siehst, wie sich die Hunde dort verhalten, auch Artgenossen ggü., wie der Halter damit umgeht etc. pp. Hat ein Hund gute Showerfolge erzielt (-Championtitel/Grandchampion.....und wirkliche, bei guten Organisationen und nicht irgendwelchen merkwürdigen Punkte-Sammel-Vereinigungen), kann man davon ausgehen, dass der Hund schon mal nicht soooo scheisse sein kann.


Insgesamt gebe ich Dir ja Recht, wir fahren ja selbst auch zu Shows und stellen unsere Hunde aus. Allerdings geht es mir dabei nicht um Pokale oder Championate. Darauf kann man sich ein Ei braten. Das beginnt schon mit der Frage, wie man erkennt welche Institutionen denn nun die Guten sind. Behaupten tun das alle von sich. Und wer auf einer Show von einer Organisation (welcher auch immer) gerade gewonnen hat oder einen Championtitel bekam, der wird kaum sagen das er die Organisation für Scheiße hält.
Ich für meinen Teil selektiere die Shows zu denen wir fahren nicht nach Organisation oder Punktlisten oder sowas. Ich schaue mir an, wer als Richter dort sein wird. Und wenn ich weiß, das ich von einem Richter tatsächlich ein objektives Urteil auf dem Bewertungsbogen bekomme dann fahre ich auch dahin. Auch wenn ich bei einigen im Voraus weiß, das meine Hündin beispielsweise niemals gewinnen würde - sei's drum. Mir ist es wesentlich wichtiger eine wirklich verwertbare Beurteilung zu bekommen.
Was mich stört ist der Verweis auf Showerfolge. Ich kenne mehrere Hunde, die durchaus hoch dekoriert sind. Auch von wirklich guten Richtern, keine Frage. Trotzdem würde ich nie einen Welpen aus diesen Hunden kaufen. Weil ich eben auch weiß, das diese Hunde entweder nicht besonders gut vererben oder auch gesundheitliche Probleme haben die man eben nicht von außen sieht. Aber der Richter beurteilt einen Hund nach dem äußeren Aussehen und der Führung am Showtag. Der Richter kann nicht in den Hund hinein sehen. Und für eine Topbewertung im Ring ist es eben auch nicht nötig, wirklich excellente Gesundheitswerte mitzubringen.
Deswegen sind mir persönlich Showplatzierungen ehrlich gesagt ziemlich egal wenn ich einen Züchter auswählen würde. Ich würde eher noch skeptisch werden, wenn ein Züchter mir gegenüber seine Showerfolge hervorheben würde. Gerade heute waren wir als Zuschauer bei einer Wald- und Wiesenausstellung. Ich würde meine Hündin dort nicht ausstellen. Aber rein als Besucher ist es schon witzig zu sehen und die Eindrücke tun unseren Hunden ganz gut. Ich wurde dort angesprochen von jemandem der unsere Website kannte und gefragt, ob wir unsere Mercy denn nicht auch in den Ring führen würden. Als ich ihm dann sagte, das wir sie nur zu Ausstellungen führen wo wir ein sinnvolles Ergebnis erwarten könnten kam dann die Frage, ob wir überhaupt schon mal einen Pokal geholt hätten. Weil wir ja auf unserer Website überhaupt keine Showerfolge präsentieren. Was soll ich dazu sagen? Wir haben durchaus einige Pokale von wirklich guten Richtern zu Hause. Aber warum sollte ich die präsentieren? Über einen eventuellen "Zuchtwert" meiner Hündin sagt das doch absolut nichts aus. Mal davon ab das wir momentan ohnehin nicht züchten und mein Mädchen eh viel zu jung dafür wäre. Viel interessanter für mich sind die Richterberichte. Und die werden von den wenigsten öffentlich präsentiert.

abpaula hat geschrieben:Abgesehen davon gehört es für mich dazu, weil ich von einem guten Züchter vorrausetze, dass er mit anderen Hunden konkurrieren möchte, um möglichst den Besten einzusetzen. Dazu gehört das Aussehen, Zähne und das Gangwerk ebenso.


Genau diesen Konkurrenzgedanken kann ich nicht nachvollziehen. Züchter sollten keine Konkurrenten sein. Und Aussteller im Ring genauso wenig. Okay, ein gewisser sportlicher Wettbewerbsgedanke ist sicher auf allen Ausstellungen dabei. Aber ehrlich gesagt finde ich genau das nervtötend.
Und ich bin eben der Überzeugung, das der beste Hund für eine Zuchtverwendung sicher nicht der Beste auf Shows sein muss. Klar, das kann sein. Aber es ist kein Selbstgänger.

abpaula hat geschrieben:Und positives geht ntürlich auch. Es fallen dort auch sehr viele Hunde positiv auf, die man vorher garnicht kannte oder nicht viel von ihnen sah. Es ist eine Plattform, um andere Hunde und ihre Entwicklung zu betrachten und auch aus diesem Grund für mich ein Muss aus züchterischer Sicht.


Das ist für mich der eigentliche Grund, zu Ausstellungen zu fahren. Der Kontakt zu Gleichgesinnten, die Beobachtung der Entwicklung anderer Hunde, das ist etwas was man auf Shows wirklich hervorragend hinbekommen kann. Und genau das finde ich an Shows Klasse. Der Rest? Naja, ein echter Fan davon werde ich nie werden.

abpaula hat geschrieben:In Sachen Auswertungen: Wenn man sich ein bißchen informiert hat (da kommt man nicht drum herum), weiß man, dass es nur wenige anerkannte Auswerter für die Rasse gibt. Sind die Hunde dort ausgwertet und der Züchter legt diese vor (unterschrieben und Stempel des Auswerters), kann man es glauben.


Yep. Da gehe ich mit. Doch leider fehlen diese Informationen doch vielen. Und gerade bei den nicht FCI-anerkannten Rassen sind diese Infos auch nicht immer leicht verfügbar.

abpaula hat geschrieben:Welche Fragen/Taten vor Ort? Mir den Stammbaum zeigen lassen, Fragen bzgl. Nachzuchten, Geschwister des Zuchthundes stellen, fragen, was sie mit der Zucht erreichen wollen, wie sie die Problematik in der Zucht sehen, was sie gut, was sie schlecht finden....Mit was sie in ihrer Zucht für Probleme haben/hatten, was sie gut an sich finden usw. Das hört sich jetzt an, wie ein Interview....Natürlich die Auswertungen zeigen lassen. Eventuell Fragen dazu stellen...HD/ED/NCL/Herz/Spondylose (das sind für mich die wichtigsten Sachen, ohne geht garnicht).


Super, genau das wollte ich wissen. Vielen Dank dafür!

abpaula hat geschrieben:Achso...wie merke ich echtes Interesse an mir selbst? Naja, das ist ja wie im wahren Leben...fragt derjenige wirklich oder sind es Standardfragen oder muss ich ihm das sogar aufdrängen? Sowas sollte man irgendwie merken, dafür gibt es meiner Meinung nach kein Rezept?


Richtig, so sehe ich das auch. Ein Rezept dafür gibt es nicht. Aber interessant ist es trotzdem :D

Auf jeden Fall ein ganz großes Danke an Dich, genau so hatte ich mir den Austausch hier erhofft.
Vielleicht finden sich ja noch mehr, die mal ihre Gedanken dazu im Detail rauslassen.

LG,

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Re: Was macht einen guten Züchter aus?

Beitragvon abpaula » 12.09.2010, 19:00

Genau diesen Konkurrenzgedanken kann ich nicht nachvollziehen. Züchter sollten keine Konkurrenten sein. Und Aussteller im Ring genauso wenig. Okay, ein gewisser sportlicher Wettbewerbsgedanke ist sicher auf allen Ausstellungen dabei. Aber ehrlich gesagt finde ich genau das nervtötend.
Und ich bin eben der Überzeugung, das der beste Hund für eine Zuchtverwendung sicher nicht der Beste auf Shows sein muss. Klar, das kann sein. Aber es ist kein Selbstgänger.


Das wollte ich damit auch nicht ausdrücken, auf garkeinen Fall. Ich meine damit eher das Ziel, den schönen, anatomisch korrekten und im Standard stehenden Hund präsentieren zu können.

Mal angenommen, man ist völlig von seinem Hund überzeugt und geht in den Ring, verliert dort aber jedesmal, weil es korrektere Hunde dort gibt oder offenere...sollte sich der gute Züchter eventuell überlegen, ob die Überzeugung nicht von Zwingerblindheit herrührt, anstatt sich, wie die meisten, über den Richter aufzuregen oder aus Frust alle Shows zu meiden.

Ich möchte von dem Züchter auch nicht nur hören, wie toll der Hund doch im Ring ist...das sollte nicht an vorserster Stelle des Gespräches stehen. Trotzdem gehört es für mich auf jeden Fall dazu, dass zeigt Interesse an der Beurteilung seines Zuchthundes und es zeigt, dass man seinen Hund zeigen möchte und kann. Manche Züchter zeigen immer nur 1 oder 2 Hunde aus ihrem Rudel, andere Zuchthunde bleiben zuhause...das finde ich bsp schon mal merkwürdig.
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