Jain

Die Frau hat zumindest damit recht (nach meinem Kenntnisstand - das muss ja nicht heißen, dass das der Weisheit letzter Schluß ist), dass der Energigehalt des Futters eine entscheidende Rolle spielt.
Anders, als der Mensch, bezieht der Hund den Hauptteil seiner Energie aus dem Fett im Futter - der Mensch ja eher aus den Kohlehydraten (siehe Powerriegel für Sportler oder Nudeln für Ausdauerläufer etc.). Deswegen ist ein vernünftiges Fettverhältnis im Futter wichtig - insbesondere im Zusammenhang mit der körperlichen Aktivität des Hundes.
Der Proteingehalt spielt dann eine Rolle, wenn man sich vor Augen hält, dass bei einem Eiweißüberschuss der Stoffwechsel von großen Hunden (bei denen der Stoffwechsel i.d.R. eher langsamer abläuft und die auch eher weniger aktiv sind, als ein kleiner Terrier zum Beispiel) das Eiweiß nicht komplett verarbeiten kann und diesen dann in diverse andere Stoffe zerlegt, die dann von Milz, Leber und Niere abgebaut werden müssen.
Eines dieser "anderen Stoffe" ist Amoniakgas, dass in das Blut diffundiert und über die Leber unschädlich gemacht werden muss, was die Leber naturgemäß belastet. Kann die Leber dieses Amoniakgas nicht mehr vollständig neutralisieren, wandelt sich das diffundierte Gas wieder in Amoniak und wird über die Niere in Form von Harnstoffen ausgeschieden (die sichtbaren Anzeichen sind dann die berüchtigten gelben Flecken im Gras, wo dann über Wochen nichts mehr wächst), wandert aber auch zum Teil durch den Blutkreislauf und überwindet auch die Blut-Hirn-Schranke, um dann schlußendlich im Hirn Vergiftungserscheinungen hervorzurufen ... der Hund dreht sprichwörtlich am Rad.
Ein Zuviel an Eiweiß kann also über einen langen Zeitraum ernste Schäden verursachen.
Da der Hund als Carnivore bei der Verdauung eher daruf ausgerichtet ist, tierisches Eiweiß zu verarbeiten, liegt auch auf der Hand, dass das Futterweiweß möglichst hochgradig tierischen Ursprungs sein sollte. Pflanzliche Eiweiße werden zwar auch verarbeitet, benötigen aber eine industrielle Vorbehandlung, die nicht bei jedem Hundefutter so ausführlich gegeben ist.
Dazu muss man bei der Herstellung ansetzen und etwas weiter ausholen:
Grundsätzlich gibt es zwei Herstellungsverfahren von Hundetrockennahrung. Zum einen das Kaltpressverfahren und zum anderen das Extrudionsverfahren (ich hoffe, ich hab das richtig geschrieben), welche sich grundlegend unterscheiden.
Beim Kaltpressverfahren weden die einzelnen Futterbestandteile in einer feuchten Form in Form gepresst - dabei steigt die Produktionstemperatur selten über 40°C, weswegen es auch das vitaminschonendere Verfahren ist. ABER: es findet kein oder nur ein geringer Stärkeaufschluss statt, sodass die pflanzlichen Bestandteile nahezu in (chemischer) Rohform im Futter vorhanden sind. Ein Beispiel für diese Herstellung ist meines Wissens nach Markus Mühle.
Beim Extruderverfahren wird die Futterrohmasse in einem sogenannten Extruder (das ist so eine Wendelschnecke, wie im Fleischwolf - mal grob ausgedrückt) unter hohem Druck und kurzzeitig hohen Temperaturen in einem Vakuum "vermengt" und dabei die Stärkebestandteile aufgeschlossen (es wird die Fermentierung während der Verdauung im Beutetier quasi industriell nachgestellt), was schlußendlich dazu führt, dass sie vom carnivoren Hund (oder auch Katze - das Verfahren ist da identisch) wesentlich besser verdaut werden können.
Und weil ein Bild mehr sagt, als tausend Worte, hier mal einige Abbildungen (ich denke, es geht ok, wenn ich hier mal Bilder von bewital benutze - schließlich sind wir ja die Zielgruppe Nr.1 für solche Informationen

):
Das heisst, dass bei einem Futter welches im Extruderverfahren hergestellt wird, auch der pflanzliche Eiweißanteil recht ordentlich verarbeitet werden kann. Aber eben nicht vollständig, weswegen eine möglichst hohe Prozentzahl eben aus tierischer Quelle stammen sollte, um eine möglichst hohe Verarbeitungsfähigkeit zu gewährleisten.
Bei einem modernen Hundefutter (also im Extruderverfahren hergestellt), dass ansonsten mit hochwertigen Komponenten hergestellt und mit ausreichend Nährstoffen ausgestattet wurde, könnte man theoretisch sogar komplett auf tierische Komponenten verzichten. Man kann also ein rein veganes Hundefutter herstellen und der Hund würde trotzdem ausreichend versorgt werden - und wird es auch. Es gibt solche rein veganen Futtersorten ... und die Hunde sterben davon auch nicht (worüber sich der eine oder andere Barffanatiker mal Gedanken machen sollte - mal so nebenbei bemerkt!). Nur eben die Effektivität bei der Eiweißumsetzung ist nicht ganz so hoch, wie bei einem tierischen Eiweiß.
Was sagt uns das alles?
Die Diskussion um den tierischen Eiweißanteil ist bei genauer Betrachtung eigentlich keine Diskussion, sondern zur Schau gestelltes Halbwissen

Tierische Eiweiße werden einfach zu einem größeren Prozentsatz verarbeitet und es bleiben keine unverdaulichen Reststoffe von tierischen Quellen übrig (pflanzliche Nahrungskomponenten beinhalten ja Bestandteile, die nicht verdaut werden und dann auf der Strasse landen). Also rein vom Stoffwechselumsatz macht es bei einem modernen Hundefutter keinen Unterschied, ob tierische oder pflanzliche Quelle.
Aus der Sicht des Allergikers betrachtet, macht es jedoch schon einen Unterschied, weil pflanzliche Eiweiße eher dazu geeignet sind, allgergische Reaktionen auszulösen.
Unterm Strich kann man also folgendes sagen: je mehr tierisches Eiweß in einem Futter ist (also vom Blickwinkel des Gesamteiweißanteils betrachtet), desto höher ist die Effektivität der Verstoffwechselung und desto geringer ist die Gefahr, dass sich Allergien ausbilden könnten (könnten, nicht werden!!).
Ob es rein auf der biochemischen Ebene Unterschiede gibt, sollte Mick mal erläutern - der kennt sich da deutlich besser aus, als ich
Ich werd ihn mal anstupsen ... vielleicht hat er ja nen Moment Zeit für uns ....