LausitzBulls hat geschrieben:Wir fanden es nur irritierend, dass wir quasi nach einer Lösung für das Problem mit der Sozialisierung suchen und die Antworten eher in die Richtung gehen, dass der AB eben nunmal so ist, man es so akzeptieren muss
Nun, dem ist aber nunmal recht häufig so. Da könnt ihr mir Binsenweisheiten vorwerfen, wie ihr wollt. Das werden euch ehrliche Bulldogger gern auch noch mal unabhängig von mir bestätigen. Der AB hat mitunter seine Eigenheiten, mit denen man einfach leben können muss. Bei vielen, die damit nicht leben bzw. umgehen können, landen die Hunde früher oder später im Tierheim oder werden weiter gereicht - Beispiele dafür gibt es zur Genüge ... leider. Und eine dieser Eigenheiten ist eben ein relativ schwieriges Sozialverhalten.
Nicht bei allen aber bei vielen.
LausitzBulls hat geschrieben:und eher von Maßnahmen abgeraten wird. Auf der anderen Seite wird in anderen Threads immer wieder darauf hingewiesen, dass das Verhalten des Hundes in der Verantwortung des Halters liegt

Natürlich liegt es in der Verantwortung des Halters - gar keine Frage. Und von Maßnahmen wurde auch nicht abgeraten. Es kommt vielmehr darauf an, die richtigen Maßnahmen zu treffen. Und eine reine Welpenspielgruppe ist leider sehr häufig keine ausreichende bzw. angemessene Maßnahme.
Niemand will euch eure Erfahrungen absprechen .. warum auch ... wir haben alle nicht die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Nur leider zeigt die Erfahrung, dass viele plötzlich vor einem Problem stehen, wenn aus dem niedlichen Bulldogwelpen plötzlich ein kräftiger Bulldog geworden ist, der sich seiner selbst und seiner Möglichkeiten bewußt ist und sich dementsprechend aufführt. Wenn ihr euch die Zeit nehmen würdet und hier und in anderen Foren mal die Problemfragen lest, wird euch der rote Faden "Probleme mit der Sozialverträglichkeit" sehr schnell auffallen.
Das muss nicht bedeuten, dass es bei euch auch so sein wird - aber die Chance ist deutlich höher, als es bei anderen Rassen der Fall sein kann. Der immer wiederkehrende Hinweis, dass der Bulldog nicht für jedermann geeignet ist, dient nicht der Elitarisierung dieser Rasse, sondern spiegelt Jahrzehnte an Erfahrungen mit dieser Rasse wider.
Nicht wenige standen vor dem Problem, bereits gemachte Erfahrungen mit anderen Rassen zumindest überdenken zu müssen. Ich selbst musste diese Erfahrung machen. Und als ehemaliger Pitbullhalter kann ich von mir durchaus behaupten, (reichlich) Erfahrungen im Umgang mit sozialproblematischen Hunden gemacht zu haben. Die Erkenntnis, dass der Bulldog "anders tickt" und man hier ganz andere Maßstäbe ansetzen muss, hat mich und meinen Hund ein ganzes Stück vorwärts gebracht. Und Probleme hatten wir mehr, als uns lieb gewesen wäre.
Auch, wenn es jetzt den Rahmen zu verlassen scheint: wie schnell man dem "ich Chef, du nix"-Gehabe eines Bulldog Vorschub leisten kann, kann ich gern mal an einem Beispiel nennen.
Wir haben unseren Sandmann an einem Samstag vom Züchter geholt und waren schon am Sonntag mit ihm auf dem Platz. Welpengruppe mit ausgesuchten Junghunden und Adulten. In Form von Zweibeinern waren Jahrzehnte Erfahrungen in der Ausbildung und Arbeit mit Hunden auf dem Platz zugegen - jeden Sonntag.
Irgendwann haben wir mal hier ein Video eingestellt, auf dem zu sehen war, wie der kleine Sandmann lustig mit den anderen Hunden rumtollt. Alles ganz unspektakulär und vollkommen problemlos. Bis mich die Heike anrief und mir unmißverständlich erklärte, dass der kleine Herr Sandmann auf eine ganz eigene bulldogtypische Art bereits damit begonnen hatte, die restliche Hundemeute zu dominieren.
Keinem der Leute auf dem Platz (mich eingeschlossen) wären die "ganz speziellen" Gesten aufgefallen. Heike, als langjährige Züchterin, hat das aber sofort gesehen und mir dringend geraten, da deutlich gegen zu steuern. Und eine der Maßnhamen - um mal wieder zum Kontext des Threats zurück zu kommen - war, die Hunde auszusuchen, mit denen Sandmann in die Spielstunde ging.
Es gab auf dem Platz also fortan eine "normale" Spielgruppe und eine ganz speziell für Sandmann, die aus erfahrenen und vor allem körperlich mindestens ebenbürtigen Hunden bestand, die den Dicken auch mal kräftig zurück in die Spur brachten, wenn er über die Stränge schoss.
Das selbe haben wir von Anfang an mit Missy gemacht ... und weit weniger Probleme im Alter bekommen. Viel viel weniger!
Und selbst unser Übungsleiter, der in mehreren Jahrzehnten aktiven Hundesports viele viele Titel (VPG, Obedience, Agility, ...) mit seinen eigenen Hunden und mit Hunden, die er ausgebildet hatte erringen konnte, war sich nicht zu fein, mit Heike persönlich zu sprechen und sich Tipps zu holen, wie man Gesten und Verhaltensweisen eines AB deuten sollte.
Nun ist Sandmann sicherlich nicht das Maß aller Dinge und in einigen Punkten eher sehr "speziell" aber wenn man mal die Augen und Ohren in der Bulldogwelt auf macht und auch mal zwischen den Zeilen liest, stellt man schnell fest, dass dieses "Spezielle" nicht so selten ist, wie es zunächst den Anschein hat. Und nachdem ich (und ganz besonders ich mit meinen Erfahrungen mit anderen Hunden) gelernt hatte, auf diese Eigenheiten einzugehen und ihnen auch ihren Freiraum zu lassen, hat sich unser Problempotenzial auf ein sehr erträgliches Maß reduziert.
In dem Sinne ...