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Züchter-Blindheit, Züchter-Hochmut

Die aktuelle Zucht des American Bulldog und die zukünftigen Zuchtziele

Züchter-Blindheit, Züchter-Hochmut

Beitragvon Andrea » 24.09.2009, 22:55

Die neueren Erkenntnisse in der Genetik und Biochemie zeigen, dass das Ziel aller Inzucht-Methoden, nämlich Reinerbigkeit der Gene, nach einigen Generationen zu Schwächen und/oder Schäden bei allen enzymgesteuerten Lebensprozessen führt. Und Enzyme steuern bekanntlich ALLE Lebensprozesse. (Literaturangaben siehe unten.)

Diese neuen Forschungergebnisse über die langfristigen Schäden von Linien-Inzucht für die Population einer Rasse bedeuten für traditionelle Linienzüchter einen schwer zu verarbeitenden Paradigmawechsel, nämlich vom Denken in Generationen zum Denken in Populationen:

"Züchtern wird des Öfteren als 'alte Regel' der Hinweis gegeben, "Züchten bedeutet Denken in Generationen". Aber das reicht allein nicht mehr aus, um der züchterischen Verantwortung gerecht zu werden." (Krautwurst 2002)
Heute ist zum Erhalt der Rassen ein Denken in Populationen nötig. Welche Konsequenzen das - außer der Notwendigkeit von Auskreuzungen - nach sich zieht, darauf werde ich in einem späteren Beitrag über "Quantitative Genetik" eingehen.

Ignoranz und Arroganz
sind die erschreckende Reaktion einiger Züchter auf die Kritik, in welche seit einiger Zeit die Linien-Inzuchtmethode durch neuere Forschungsergebnisse geraten ist.

Als Beispiel dafür bringe ich hier einige Zitate aus einer Mail, die mir eine Boxerzüchterin, die in die Bulldogzucht einsteigen will, schrieb. Sie bezieht sich dabei auf meine Berichte über die Wuff-Artikel des weltweit anerkannten Genetikers Prof. Wachtel. (Siehe weiter unten Beitrag vom 4. Januar.)
Wie schwer diese Frau sich damit tut, neue Erkenntnisse in der Kynologie wahrzunehmen, geschweige denn zu akzeptieren, zeigt der emotional aufgeladene Anfang ihrer Mail an mich:
"Leider muß ich in letzter Zeit feststellen, dass Sie jetzt viel über Dinge schreiben von denen Sie, entschuldigen Sie bitte, offensichtlich nicht so viel verstehen. Die Wirkungsweise von verschiedenen Arten der Zucht sind mir, glaube ich, besser vertraut, da ich da auf einige Erfahrung zurückblicken kann. Ihre Ausführungen über Linienzucht usw. sind einfach Unsinn."

Diese Züchterin ignoriert in ihrer Aufgebrachtheit völlig, dass ich gar nicht über eigene Forschungen (wie auch? ) berichte, sondern über die Forschungsergebnisse anerkannter Wissenschaftler.
Dass ihr solch ein starker Aufmerksamkeits-Fehler passiert zeigt uns, wie tief bei ihr die Ablehnung neuer Erkenntnisse sitzt, und wie sie sich dagegen zu wehren versucht mit der hilflosen Argumentation "Erfahrung" zu haben - sowie mit der Abwertung wissenschaftlicher Ergebnisse als "Unsinn".
(Dazu fällt mir ein Spruch meiner allerersten Lehrerin ein: "Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.")

Meine Empfehlung an den Welpensucher:
Sollte ein Züchter seine "Erfahrung" betonen und zugleich deutlich machen, dass er von den neuen Forschungen der Genetiker über den Vitalitätsverlust durch Linienzucht (Verlust an Mischerbigkeit der Gene) nichts hält, dann kaufen Sie vorsichtshalber dort besser nicht.

Weiter schrieb mir diese Züchterin:
"Es ist z.B. auch nicht so schön für einen erfahrenen Züchter, der viel Mühe in den Aufbau einer guten Linie gesteckt hat, wenn dann jemand mit seinen Hunden züchtet, unüberlegt Fehler reinholt, die dann auf die Falschen zurückgeführt werden, aber auch damit muß er leben."

Hier sind wir bei der züchterischen Eitelkeit angelangt, die auch oft "Zwingerblindheit" genannt wird: Fehler liegen immer am "Anderen". Wer so denkt, der hat die Komplexität der Vererbungsprozesse nicht verstanden, oder er leidet an peinlicher Selbstüberschätzung ....

Meine Empfehlung an den Welpensucher:
Sollte ein Züchter mögliche Fehler seiner Hunde nur mit der Einkreuzung fremder Hunde begründen, dann signalisiert dies einen gewissen Realitätsverlust oder auch Unredlichkeit. Kaufen Sie vorsichtshalber dort besser nicht.

Noch ein Zitat aus der Mail dieser Züchterin, welches einen weiteren Beweggrund anklingen läßt:
"Mit einer kleinen Familienzucht, gegen die natürlich überhaupt nichts einzuwenden ist, kann niemand eine Rasse weiterbringen."

Ich habe in meinen persönlichen Anmerkungen zu diesen Forschungsergebnissen kleine Familienzuchten empfohlen, in denen aus natürlichem Empfinden heraus keine Verwandten miteinander verpaart werden. Und diese Empfehlung ist größeren, kommerziellen Zuchten, die nahezu alle Linien-Inzucht betreiben, natürlich ein Dorn im Auge, da dies Welpensucher abhalten könnte, bei ihnen zu kaufen.

Wie sollen diese Groß-Züchter dagegen angehen, um gut im Geschäft zu bleiben??? Ihre Zuchtlinie ist sozusagen ihr "Betriebskapital"! Also stilisieren sie sich und ihre Linien-Inzucht zum Retter der Rasse oder zum Bewahrer der Rasse hoch....

Meine Empfehlung an den Welpensucher:
Fragen Sie den Züchter nach den Schwächen, die in seinen Bulldogs stecken. Sollte er Ihnen antworten, seine Hunde seien alle rundum vital, typvoll, weder hyperaktiv noch ängstlich usw. usw., dann klingt das nach Verkaufstaktik, aber nicht nach Ehrlichkeit. Kaufen Sie vorsichtshalber dort besser nicht.

Ein letztes Zitat aus der Mail dieser Züchterin, welches ihre Unfähigkeit oder ihre Unwilligkeit zur Sach-Argumentation zeigt.
"In meinen Augen kann es sich niemand, der nie gezüchtet hat (gemeint bin ich), anmaßen über andere (gemeint sind Züchter) zu urteilen... Auch als Züchter sollte man sich sowas verkneifen und es einfach besser machen."

Naja, wir kennen den Spruch: "eine Krähe hackt einer anderen kein Auge aus." - Diese Züchterin nennt journalistische Arbeit (denn die Herausgabe des "Bulldog-Blog" ist journalistische Arbeit) anmaßend, weil Journalismus ausspricht, was "Krähen" übereinander verschweigen; jedenfalls öffentlich. Ein Glück, dass die Welt nicht nur aus "Krähen" besteht, sondern unter Anderem auch aus "Bulldogs" ))

Meine Empfehlung an den Welpensucher:
Meiden Sie die "Krähen" unter den Züchtern. Suchen Sie dagegen Züchter, die ihre Bulldogs von Herzen lieben und umsorgen, die Linien-Inzucht lassen und Zwingerhaltung (siehe Beitrag 17.12.07) ablehnen )


Für Welpensucher: HIER finden Sie weitere wichtige Tips, um bei Ihrer Züchterwahl die "Spreu vom Weizen" trennen zu können


Literatur-Hinweise für Züchter, die sich weiterbilden möchten, und für allgemein an Genetik und Kynologie interessierte Leser:


"Hundezucht 2000", Autor Hellmuth Wachtel, Kynos Verlag, ISBN 978-3-938071-32-8

"Hundezucht - Erfolgreich züchten auf Gesundheit, Leistung und Aussehen", Herausgeberin Helga Eichelberg, Kosmos-Verlag, ISBN 3-440-09724-2;
Empfohlen von: "VDH", "gkf" (Gesellschaft für Kynologische Forschung), "Partner: Hund" und vom "Hundemagazin WUFF" in einer der letzten Ausgaben.

"Praktische Genetik für Hundezüchter", Autor Friedmar Krautwurst, Kynos Verlag, ISBN 3-933228-52-2

Hier geht's weiter bzw. hier gibt es noch mehr Infos:
http://www.egge.net/~savory/bdog/bb_Arc ... enetik.htm
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Re: Züchter-Blindheit, Züchter-Hochmut

Beitragvon Michael » 25.09.2009, 07:58

:2thumbs: :2thumbs: :2thumbs:
dauernde inzucht oder noch schlimmer extreme inzestverpaarung auf einen rüden/eine hündin hin führt u.a. zu dem was man auch verzwergung nennt und zu genetischer verarmung- wie wachtler sagt kann man durch inzucht nichts reinzüchten sondern merkmale und erbanlagen nur rauszüchten. daher ist outcrossing ein muss
um die blutlinien aufzufrischen.
linien zucht, z.b. auf alte blutlinien gemixt mit sog. oucross halte ich für ok, reine inzucht/. inzest verpaarung
halte ich für gefährlich.
züchte ich auf 10x "XY" dann haben die welpen ein X-fache in potenz des ausgangszuchtmaterials und also auch ein x-faches der probleme, selbst wenn die ausgangstiere diese probleme nicht hatten, da die anlagen vielleicht rezessiv waren und durch die inzestverpaarungen dominat wurden.
den spruch: breed tigth- means breed high halte ich für bedenklich.

der eine oder andere hund ist sicherlich ein excellentes "breedingtool" aber nur auf ihn zurückzuzüchten, wenn dieser vielleicht auch schon aus engster verpaarung stammt ist in meinen augen zumindest bedenklich.
zumal bei den bulldogs nicht alle stammbäume sagen wir mal "klar" sind.


zwingerblindheit oder züchterüberheblichkeit ist sicherlich ein grosses problem aller hunde/tierzucht.

aber was ist ein bulldog-blog ???
lg Michael ( Von Avalon's American Bulldogs )
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Einfach nur American-Bulldogs,so wie sie früher einmal waren!
http://www.vonavalon.de
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Re: Züchter-Blindheit, Züchter-Hochmut

Beitragvon Walth » 26.09.2009, 16:04

schöner beitrag. also reine inzestverpaarungen und auch halbgeschwister kommen bei mir nicht in frage. denn nicht nur die positiven eigenschaften verstärken sich sondern auch die negativen ausserdem ist mir die gefahr von genveränderungen (mutation) zu hoch (zwergwuchs z.bsp.)
linienzucht in gewissem maße sollte hin und wieder mal sein um bestimmte merkmale zu verstärken.
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